Der Oldenburger Sportwissenschaftler Dr. Ulf Gebken dokumentierte beim Freiburger-Kreis-Seminar in Hildesheim am Beispiel der Mädchenfußball-Grundschul-AG im Altländerviertel in Stade (80 Prozent Migranten, 50 Prozent Hartz-4-Empfänger) zusammen mit dem VfL Stade nachhaltige Integrations- und Inklusionsarbeit.
In Niedersachsen haben sich inzwischen 36 AGs entwickelt, plus zwölf Projektgruppen im Rahmen der bundesweiten Offensive „Soziale Stadt.“ 150 ausgebildete Assistentinnen, teils aus der Zielgruppe selbst, dienen als Multiplikatoren und tragen die Botschaften und Programm weiter. Gebken riet mit Förderprogrammen frühzeitig (Kitas und Grundschule) zu beginnen.Erfolgschlüssel sieht er im Schulsport sowie in der Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen, gerade um Mädchen zu erreichen. „Entscheidend sind die Übungsleiter“, weiß Gebken.
Das Programm ist dargestellt unter www.fussball-ohne-abseits.de. Ein Buchtipp lautet: „Integration von A bis Z“. Gebken und das Autorenteam der Uni Oldenburg definieren und erklären in dieser Fibel verständlich und anschaulich 80 Begriffe zum Thema. Ein weiteres halbes Dutzend erfolgreicher Projekte wurde beim FK-Seminar vorgestellt. Bei den meisten Initiativen sind Großvereine treibende Kräfte oder Kristallisationspunkte. Niedersachsens Integrationsministerin Aygül Ötzkan betonte: „Natürlich müssen diese Jugendlichen abgeholt werden.“
Das Bildungs- und Teilhabepaket, das Kindern au sozialschwachem Milieu zum Beispiel Vereinsbeiträge und musische Angebote finanziert, sah die Ministerin, aber auch eine Diskussionsrunde mit Bundestagspolitikern und Sportbeauftragten von CDU, SPD, FDP und der Linken als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe zum besseren Einstieg in den Vereinssport.
Auch hier berichteten Vertreter von Großvereinen von Alltagsproblemen. Hoher bürokratischer Aufwand bei der Abrechnung. Überforderte Partner (Arbeitsagenturen/Jobcenter).
Stattliche Beitragsaußenstände sowie Informationslücken bei vielen Betroffenen und große Probleme, an die Kinder heranzukommen (Armutsouting, Scham). In der Praxis stoßen Integration und Inklusion schnell an Grenzen. So stellen von Familien von 2,5 Millionen bedürftigen Kindern in Deutschland erst 30 Prozent Anträge.
Nicht nur mangelhafte Erziehungsqualität der Eltern, auch die formalen Hürden des Pakets überfordern allenthalben. Für die Vereine gerät die Finanzierung zum Pferdefuß, wegen unklarer Zuständigkeiten und unterschiedlicher Finanztöpfe. Die Bundestagsabgeordneten unterstrichen die Gesamtverantwortung und appellierten an Länder und Kommunen, entsprechende Mittel für Integrations- und Inklusionsprogramme einzusetzen. Angesichtes der Finanznöte der öffentlichen Hand eher ein frommer Wunsch.
Die Politiker tadelten zugleich verkrustete Schulbehörden, zu wenig für die neuen Aufgaben ausgebildete Lehrer und Übungsleiter sowie Engstirnigkeit vieler Fachverbände, die Integration und vor allem Inklusion nicht wert- und damit unterschätzen.
Auch in Kommunen kommt die gesetzlich legitimierte Herausforderung bisher kaum an, weil sie Sozialarbeit und – Etats noch stärker belastet. Damit sind einmal mehr die Großvereine Hoffnungsträger und Rettungsanker. Wie oft in den letzten Jahrzehnten stellen sie sich frühzeitig, selbstbewusst, offensiv der Aufgabe.
